DAU/MAU-Ratio: Stickiness als wichtigste Engagement-Kennzahl für Apps
DAU/MAU-Ratio: Stickiness als wichtigste Engagement-Kennzahl für Apps
WhatsApp hat eine DAU/MAU-Ratio von über 70 % — die meisten Apps liegen unter 20 %. Diese eine Kennzahl zeigt, ob Nutzer täglich zurückkommen oder nur gelegentlich auftauchen. Eine hohe Stickiness ist der stärkste Indikator für langfristigen App-Erfolg: Sie verrät mehr über echten Produktwert als Downloads, Installationen oder selbst die Nutzerzahl allein.
Das Wichtigste in Kürze
- Die DAU/MAU-Ratio (Stickiness) zeigt, wie viel Prozent deiner monatlichen Nutzer die App täglich verwenden
- Formel: DAU ÷ MAU × 100 — ein Wert von 25 % bedeutet, dass täglich ein Viertel der Monatsbasis aktiv ist
- Guter Benchmark ist ab 20 %, sehr gut ab 40 % — Social Apps erreichen 50–70 %, E-Commerce oft nur 10–15 %
- Die stärksten Hebel: tägliche Nutzungsanreize, personalisierte Push-Benachrichtigungen und ein überzeugender Aha-Moment im Onboarding
- DAU/MAU ergänzt Retention und Session Length — erst zusammen ergibt sich ein vollständiges Engagement-Bild
Inhaltsverzeichnis
Was ist die DAU/MAU-Ratio (Stickiness)? {#was-ist-dau-mau}
Die DAU/MAU-Ratio — oft als Stickiness bezeichnet — ist das Verhältnis der Daily Active Users (DAU) zu den Monthly Active Users (MAU). Sie drückt aus, wie oft deine monatlich aktiven Nutzer die App im Durchschnitt pro Monat verwenden, bezogen auf tägliche Aktivität.
Der Begriff “Stickiness” beschreibt genau das, was die Kennzahl messen soll: Wie klebrig ist deine App? Kommen Nutzer täglich zurück, oder öffnen sie die App nur einmal im Monat und vergessen sie dann wieder?
Was sind DAU und MAU?
- Daily Active Users (DAU): Die Anzahl einzigartiger Nutzer, die deine App an einem bestimmten Tag mindestens einmal geöffnet haben. Ein einzelner Nutzer wird pro Tag nur einmal gezählt, unabhängig davon, wie viele Sitzungen er startet.
- Monthly Active Users (MAU): Die Anzahl einzigartiger Nutzer, die deine App innerhalb eines Monats mindestens einmal geöffnet haben. MAU ist die breiteste Kennzahl für deine aktive Nutzerbasis — sie schließt alle ein, die irgendwann im Monat aktiv waren.
Der entscheidende Unterschied: MAU sagt dir, wie viele Menschen deine App kennen und gelegentlich nutzen. DAU sagt dir, wie viele davon täglich aktiv sind. Die DAU/MAU-Ratio verbindet beide Zahlen zu einer einzigen aussagekräftigen Prozentzahl.
Warum ist die dau mau ratio so wichtig?
Eine App kann einen beeindruckenden MAU von 500.000 Nutzern vorweisen — und trotzdem in einer prekären Situation sein. Wenn die Stickiness nur 5 % beträgt, sind täglich gerade einmal 25.000 Nutzer aktiv. Das klingt viel, bedeutet aber: 475.000 der monatlich registrierten Nutzer haben die App an einem durchschnittlichen Tag nicht einmal geöffnet.
Für Geschäftsmodelle, die auf regelmäßiger Nutzung basieren — Subscriptions, In-App-Advertising, Transaktionen — ist die DAU/MAU-Ratio oft entscheidender als die reine Nutzerzahl. Wer täglich aktiv ist, zahlt häufiger, sieht mehr Werbung und empfiehlt die App weiter.
Aus Produktperspektive ist eine steigende Stickiness ein Beweis dafür, dass die App echten Alltagsnutzen liefert. Sinkende Werte zeigen dagegen, dass Nutzer zwar formal “aktiv” sind, aber den Kern-Use-Case nicht täglich erleben.
DAU/MAU-Ratio berechnen: Formel und Beispiel {#berechnung}
Die Berechnung der DAU/MAU-Ratio ist einfach:
Stickiness (%) = DAU ÷ MAU × 100
Konkretes Beispiel:
Deine App hat im Dezember 10.000 Monthly Active Users (MAU). Am 15. Dezember waren 2.500 Nutzer aktiv (DAU).
Stickiness = 2.500 ÷ 10.000 × 100 = 25 %
Das bedeutet: Im Schnitt kommt jeder vierte Monatnutzer täglich zurück. Oder anders formuliert: An einem typischen Tag sind 25 % deiner monatlichen Nutzerbasis aktiv.
Hinweis zur Messgenauigkeit
Da DAU täglich schwankt — Wochenenden, Feiertage oder Marketing-Events können die Zahlen stark beeinflussen — empfiehlt es sich, einen Durchschnitts-DAU zu verwenden:
Stickiness (%) = (Summe aller täglichen DAU im Monat ÷ Anzahl der Tage) ÷ MAU × 100
Für den Dezember (31 Tage) mit einem kumulierten DAU-Gesamt von 77.500 und einem MAU von 10.000 ergibt sich:
Durchschnittlicher DAU = 77.500 ÷ 31 = 2.500 täglich Stickiness = 2.500 ÷ 10.000 × 100 = 25 %
Wo findest du DAU und MAU?
Die meisten Analytics-Plattformen bieten diese Kennzahlen direkt an:
- Firebase Analytics: Dashboard → Aktive Nutzer → täglich / monatlich, oder der vorgefertigte DAU/MAU-Bericht unter “Engagement”
- Mixpanel: Reports → Aktive Nutzer → Zeitraum wählen (täglich vs. monatlich)
- Amplitude: Chart-Typ “Active Users” mit Granularität “Daily” und “Monthly” vergleichen
- App Store Connect / Google Play Console: Eingeschränkte Engagement-Daten, kein direktes DAU/MAU
WAU als Zwischenschritt
Neben DAU und MAU gibt es auch Weekly Active Users (WAU). Die WAU/MAU-Ratio liegt strukturell höher als die DAU/MAU-Ratio und eignet sich besonders für Apps, die nicht auf tägliche Nutzung ausgelegt sind — z.B. wöchentliche Workout-Apps oder Teamplaner. Für die meisten B2C-Apps bleibt DAU/MAU die relevantere Kennzahl.
DAU/MAU Benchmarks nach App-Kategorie {#benchmarks}
Es gibt keinen universellen Benchmark für die dau mau ratio. Was als “gut” gilt, hängt stark davon ab, was die App tut und wie oft sie von Natur aus genutzt werden sollte. Eine Banking-App, die bei 22 % Stickiness liegt, ist in exzellenter Verfassung — eine Messaging-App mit demselben Wert hat ein ernstes Problem.
Die folgenden Benchmarks basieren auf Branchendaten aus verschiedenen Quellen und geben Richtwerte für typische DAU/MAU-Verhältnisse nach Kategorie:
Social Media & Messaging: 50–70 %
Das ist die Kategorie mit den höchsten Stickiness-Werten überhaupt. WhatsApp, Telegram und ähnliche Messenger liegen über 70 %, weil sie tief in die Kommunikationsroutinen der Nutzer integriert sind. Social-Media-Apps wie Instagram liegen oft bei 50–65 %. Diese Kategorie ist die Ausnahme, nicht die Regel — wer Social-App-Metriken als Benchmark für andere App-Typen verwendet, setzt sich eine unrealistische Messlatte.
Utility-Apps (Wetter, Kalender, Navigation): 25–40 %
Utility-Apps, die alltägliche Aufgaben lösen, erreichen solide Stickiness-Werte, weil ihre Nutzung intrinsisch motiviert ist: Man öffnet die Wetter-App, weil man den Wetterbericht braucht — nicht weil die App besonders gut designed ist. Kalender- und Erinnerungs-Apps liegen oft am oberen Ende dieses Bereichs.
Gaming (Casual): 20–30 %
Casual-Games wie Puzzle- oder Hyper-Casual-Spiele haben überraschend moderate Stickiness-Werte. Während Hardcore-Gamer täglich spielen, ist die breite Casual-Zielgruppe unregelmäßiger. Games mit täglichen Belohnungssystemen (Daily Rewards, Streaks) liegen am oberen Ende, reine Einzelspieler-Erfahrungen oft darunter.
Finance & Banking: 15–25 %
Banking-Apps werden regelmäßig, aber nicht täglich geöffnet — typischerweise ein paar Mal pro Woche. Eine Stickiness von 20–25 % ist für diese Kategorie ausgezeichnet und deutet darauf hin, dass Nutzer die App als Teil ihres Finanzalltags betrachten. Apps mit Budgetfunktionen oder täglichen Transaktions-Feeds liegen tendenziell höher.
Health & Fitness: 15–25 %
Fitness-Apps kämpfen mit dem typischen “Neujahres-Effekt” — hohe Downloads, schnell sinkende Retention. Nachhaltige Fitness-Apps, die Gewohnheiten aufbauen (tägliche Tracking-Erinnerungen, Streak-Mechanismen), erreichen 20–25 % Stickiness. Reine Workout-Apps ohne Gamification liegen oft darunter.
E-Commerce & Shopping: 10–15 %
E-Commerce-Apps haben strukturell niedrige DAU/MAU-Werte, weil Einkaufen kein tägliches Verhalten ist. Ausnahmen sind Apps mit Content-Komponente (z.B. tägliche Deals, Flash Sales) oder Shopping-Communitys. Der Benchmark liegt bei 10–15 % — wer darüber liegt, hat eine ungewöhnlich engagierte Nutzerbasis.
Enterprise & B2B: 5–10 %
B2B-Apps werden oft nur für spezifische Aufgaben geöffnet — Berichte lesen, Genehmigungen erteilen, Projekte updaten. Stickiness von 8–10 % kann hier bereits ein Zeichen für hohe Nutzerzufriedenheit sein. Der Vergleich mit B2C-Apps ist irreführend.
Die praktische Konsequenz
Vergleiche deine DAU/MAU-Ratio immer mit Apps deiner eigenen Kategorie. Wenn du eine Finance-App mit 22 % Stickiness betreibst, bist du im oberen Bereich deiner Kategorie — nicht schwach im Vergleich zu WhatsApp. Das richtige Benchmarking verhindert Fehlinvestitionen: Statt zu versuchen, WhatsApp-ähnliche Stickiness zu erreichen, konzentrierst du dich auf das, was in deiner Kategorie realistisch und wertvoll ist.
Was beeinflusst die Stickiness deiner App? {#einflussfaktoren}
Die DAU/MAU-Ratio ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis konkreter Produktentscheidungen, technischer Qualität und Nutzerkommunikation. Hier sind die wichtigsten Einflussfaktoren:
1. Der intrinsische Nutzungsrhythmus
Der stärkste Prädiktor für hohe Stickiness ist der natürliche Nutzungsrhythmus einer App. Eine App, die ein tägliches Problem löst — Nachrichten lesen, Wetter prüfen, Commute planen — hat einen strukturellen Vorteil gegenüber einer App, deren Kernfunktion wöchentlich oder monatlich relevant ist.
Die erste Frage ist also: Gibt es in meiner App überhaupt einen Use Case, der tägliche Nutzung rechtfertigt? Wenn nicht, ist es sinnvoll, neue Features oder Inhalte zu entwickeln, die tägliche Relevanz schaffen — oder die Stickiness-Erwartung an die Kategorie anzupassen.
2. Onboarding-Qualität und Aha-Moment
Nutzer, die im Onboarding ihren ersten echten Erfolgserlebnis hatten — ihren “Aha-Moment” — kehren statistisch häufiger zurück. Das Onboarding entscheidet nicht nur über Day-1-Retention, sondern prägt auch langfristige Nutzungsgewohnheiten.
Wenn Nutzer nach dem ersten Start nicht verstehen, warum sie die App morgen wieder öffnen sollten, sinkt die DAU/MAU-Ratio automatisch — unabhängig davon, wie gut das restliche Produkt ist.
3. Push-Benachrichtigungen und Re-Engagement
Gut getimte, relevante Push-Benachrichtigungen sind einer der effektivsten Hebel für DAU. Sie bringen Nutzer, die an einem Tag noch nicht aktiv waren, zurück in die App. Der Schlüssel ist Relevanz: Generische Massen-Pushes erzeugen Opt-outs, personalisierte Trigger-Nachrichten erhöhen die tägliche Aktivierungsrate.
4. Content-Frische und tägliche Anreize
Apps mit täglich neuem Content — News-Apps, soziale Netzwerke, täglich aktualisierte Fitness-Challenges — generieren natürliche Rückkehrmotive. Für Apps ohne natürlichen Content-Rhythmus können künstliche Anreize funktionieren: Daily Streaks (Duolingo), tägliche Ziele oder Gamification-Elemente.
5. Technische Stabilität und Performance
Eine App, die abstürzt, langsam lädt oder Fehler zeigt, verliert Nutzer — auch wenn das Produkt an sich gut ist. Crashes und ANRs senken nicht nur die Store-Bewertung, sondern auch die tägliche Rückkehrrate. Nutzer, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, öffnen die App seltener.
6. Personalisierung und User Value
Je mehr eine App auf die individuelle Situation des Nutzers eingeht — personalisierte Empfehlungen, gespeicherte Präferenzen, individuelle Fortschrittsdaten — desto höher ist die Hemmschwelle, sie aufzugeben. Personalisierung schafft Switching Costs: Die App wird schwerer austauschbar, weil sie die eigene Geschichte kennt.
DAU/MAU-Ratio verbessern: 6 konkrete Hebel {#verbessern}
Wenn deine Stickiness hinter den Erwartungen zurückbleibt, sind das die wirksamsten Maßnahmen — geordnet nach typischer Implementierungsgeschwindigkeit:
Hebel 1: Push-Benachrichtigungen optimieren
Push ist der direkteste Weg, um Nutzer täglich zu aktivieren. Der häufigste Fehler ist, Push-Nachrichten zu generisch zu gestalten — “Check out what’s new!” bringt niemanden zurück. Effektiver sind:
- Verhaltensbasierte Trigger: Ein Nutzer hat gestern eine Aktion nicht abgeschlossen — jetzt ein sanfter Hinweis
- Zeitbasierte Personalisierung: Sende Notifications zu den Zeiten, zu denen der jeweilige Nutzer historisch aktiv war
- Relevanter Content: “Dein wöchentlicher Bericht ist fertig” ist konkreter und wertvoller als generische Alerts
Wichtig: Misst du nicht nur die Öffnungsrate der Notifications, sondern auch den Impact auf den DAU — sonst optimierst du eine Metrik, die nicht das eigentliche Ziel ist.
Hebel 2: Daily Use Cases etablieren
Analysiere, welche Features täglich relevant sein könnten, und stelle sie in den Vordergrund. In einer Fitness-App: tägliche Kalorien-Tracking-Erinnerung. In einer Finance-App: tägliche Ausgaben-Zusammenfassung. In einem Produktivitäts-Tool: die To-do-Liste des heutigen Tages als Standard-Startbildschirm.
Der Grundsatz: Mach das tägliche Öffnen zur Gewohnheit, nicht zu einer bewussten Entscheidung. Nutzer sollen die App reflexartig öffnen, weil sie wissen, dass dort täglich etwas Relevantes auf sie wartet.
Hebel 3: Streak-Mechanismen und Gamification
Duolingo ist das Paradebeispiel: Der tägliche Streak-Counter erhöht die Stickiness massiv, weil Nutzer ihren Streak nicht brechen wollen. Dieses Prinzip funktioniert in vielen Kategorien:
- Fitness: Trainings-Streaks, tägliche Schritteziele
- Learning: Lern-Streaks, tägliche Quiz-Challenges
- Finance: Tägliche Spar-Check-ins, Budget-Streaks
- Productivity: Daily-Check-in-Belohnungen
Gamification wirkt am stärksten bei Nutzern, die bereits einen täglichen Use Case haben — sie schafft den emotionalen Anreiz, es beizubehalten.
Hebel 4: Onboarding auf tägliche Nutzung ausrichten
Das Onboarding entscheidet nicht nur, ob Nutzer die App nach Tag 1 behalten, sondern prägt auch, wie oft sie sie nutzen werden. Wenn du im Onboarding nur einmalige Features zeigst (z.B. Account-Setup), verpasst du die Chance, tägliche Rituale zu etablieren.
Baue stattdessen einen “Daily Routine”-Schritt ins Onboarding ein: Zeige dem Nutzer, wie sein typischer täglicher Workflow mit der App aussieht. Lass ihn Push-Benachrichtigungen mit konkreter Begründung aktivieren. Stelle die täglichen Features vor, nicht nur die einmaligen Setup-Funktionen.
Hebel 5: Personalisierung vertiefen
Je mehr die App “weiß”, desto schwerer fällt es Nutzern, sie aufzugeben — und desto mehr Gründe haben sie, täglich zurückzukommen. Konkrete Maßnahmen:
- Personalisierte Dashboards, die die für den Nutzer relevantesten Informationen priorisieren
- Empfehlungen basierend auf bisherigem Verhalten (“Weil du letztes Mal X gemacht hast…”)
- Individuelle Fortschrittsanzeigen, die tägliche Aktivität sichtbar machen
Personalisierung hat auch einen Nebeneffekt auf Stickiness: Sie gibt Nutzern das Gefühl, dass “ihre” App einzigartig für sie ist — was einen emotionalen Grund schafft, zurückzukehren.
Hebel 6: Fehler und Abstürze eliminieren
Eine schlecht funktionierende App verliert Nutzer nicht mit einem großen Knall, sondern schleichend. Jeder Crash, jede ANR, jede überlange Ladezeit senkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nutzer die App morgen wieder öffnet. Das ist besonders relevant für die Stickiness, weil sich schlechte Erfahrungen akkumulieren: Wer zweimal in einer Woche Crashes erlebt, öffnet die App in der nächsten Woche seltener.
Crash Rate und ANR Rate direkt tracken und auf unter 1 % bzw. 0,47 % halten (Google Play-Grenzwerte). Stabilität ist eine Grundvoraussetzung — ohne sie verpufft jeder andere Hebel.
DAU/MAU vs. andere Engagement-Metriken {#vergleich}
Die DAU/MAU-Ratio ist eine mächtige Kennzahl, aber sie erzählt nicht die ganze Geschichte. Erst in Kombination mit anderen Metriken entsteht ein vollständiges Bild des Nutzer-Engagements.
DAU/MAU und Retention Rate
Retention Rate (Day 1, 7, 30) und DAU/MAU messen verwandte, aber unterschiedliche Dinge. Retention misst, ob Nutzer nach ihrer ersten Sitzung zurückkehren — bezogen auf einen fixen Startzeitpunkt. DAU/MAU misst die laufende Nutzungsintensität der gesamten aktiven Nutzerbasis.
Eine App kann hohe Day-7-Retention haben, aber niedrige Stickiness: Das passiert, wenn viele Nutzer die App eine Woche intensiv nutzen, dann aber auf monatliche Nutzung abfallen. Umgekehrt kann Stickiness hoch sein, obwohl die Day-7-Retention schwach ist — nämlich dann, wenn ein kleiner, aber extrem aktiver Kern von Nutzern die DAU-Zahlen dominiert.
Lies mehr zu diesem Thema in unserem Artikel zu App-KPIs für den Erfolg deiner App.
DAU/MAU und Session Length
Session Length (durchschnittliche Sitzungsdauer) ergänzt die Stickiness um eine qualitative Dimension: Nicht nur wie oft kommen Nutzer, sondern wie lange bleiben sie bei jedem Besuch.
Hohes DAU/MAU + kurze Sessions: Gewohnheitsnutzung mit schnellen Check-ins — typisch für Messaging-Apps oder News-Apps Hohes DAU/MAU + lange Sessions: Tiefes Engagement — Zeichen für hohen inhaltlichen Wert oder starke Gamification Niedriges DAU/MAU + lange Sessions: Seltene, aber intensive Nutzung — typisch für Produktivitäts- oder Kreativ-Apps
Keines dieser Muster ist per se gut oder schlecht — es hängt vom App-Typ ab. Wichtig ist, dass du beide Dimensionen betrachtest.
DAU/MAU und Churn Rate
Sinkende DAU/MAU-Ratio ist oft ein Frühwarnzeichen für steigende Churn. Wenn Nutzer die App seltener öffnen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie sie bald deinstallieren oder ihr Abonnement kündigen.
Daten zeigen: Der DAU-Rückgang geht dem MAU-Rückgang oft 2–4 Wochen voraus. Wer die Stickiness täglich überwacht, erkennt Abwanderungstendenzen früher und kann reagieren, bevor die MAU-Zahlen einbrechen.
WAU/MAU als Zwischenkennzahl
Für Apps, die nicht auf tägliche Nutzung ausgelegt sind, ist die WAU/MAU-Ratio (Weekly Active Users / Monthly Active Users) oft aussagekräftiger als DAU/MAU. Sie liegt strukturell höher — typischerweise das 3–4-fache des DAU/MAU-Wertes — und erlaubt einen realistischeren Vergleich für wöchentliche Use Cases.
Fazit {#fazit}
Die DAU/MAU-Ratio ist die kompakteste Antwort auf die Frage: “Liefert meine App wirklich Wert — jeden Tag?” Sie fasst die Nutzungsintensität einer gesamten App in einer einzigen Prozentzahl zusammen und macht damit Vergleiche über Zeit und zwischen Produkten möglich.
Die drei wichtigsten Takeaways:
-
Benchmarks sind kategorieabhängig. Eine Stickiness von 22 % ist für eine Banking-App ausgezeichnet, für eine Messaging-App bedenklich. Vergleiche immer mit deiner eigenen Kategorie — nicht mit WhatsApp.
-
DAU/MAU ist ein Frühindikator. Sinkende Stickiness geht dem MAU-Rückgang oft Wochen voraus. Wer täglich misst, kann Abwanderungstrends frühzeitig erkennen und gegensteuern, bevor sie sich in den Umsatzzahlen niederschlagen.
-
Die stärksten Hebel sind Onboarding, Push und tägliche Use Cases. Nicht jede App hat von Natur aus einen täglichen Nutzungsrhythmus — aber fast jede App kann durch gezielte Produktentscheidungen regelmäßigere Nutzung fördern.
Die DAU/MAU-Ratio allein reicht nicht aus. Sie funktioniert am besten als Teil eines umfassenden KPI-Dashboards, das Retention, Session Length und technische Stabilität einschließt. Wie du dieses Dashboard aufbaust und welche weiteren Kennzahlen wirklich entscheidend sind, zeigt unser ausführlicher Guide zu Mobile App KPIs für den Erfolg deiner App.
Engagement-Metriken verstehen und verbessern
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Leistungen ansehenFAQ {#faq}
Was ist die DAU/MAU-Ratio?
Die DAU/MAU-Ratio (auch Stickiness genannt) ist das Verhältnis der Daily Active Users (DAU) zu den Monthly Active Users (MAU) einer App, ausgedrückt in Prozent. Sie misst, wie intensiv Nutzer eine App verwenden — genauer: welcher Anteil der monatlich aktiven Nutzer die App auch täglich öffnet. Eine DAU/MAU-Ratio von 30 % bedeutet, dass täglich 30 % der monatlichen Nutzerbasis aktiv sind.
Was ist eine gute DAU/MAU-Ratio?
Eine gute DAU/MAU-Ratio hängt stark von der App-Kategorie ab. Als allgemeiner Richtwert gilt: Über 20 % ist gut, über 40 % ist sehr gut. Social-Media- und Messaging-Apps erreichen 50–70 %, da sie tief in den Kommunikationsalltag integriert sind. Utility-Apps kommen auf 25–40 %, Finance-Apps auf 15–25 % und E-Commerce-Apps typischerweise auf 10–15 %. Vergleiche deine Werte immer mit Apps deiner eigenen Kategorie.
Wie berechne ich die DAU/MAU-Ratio?
Die Formel lautet: DAU ÷ MAU × 100 = Stickiness in Prozent. Wenn deine App an einem Tag 3.000 aktive Nutzer (DAU) und im gleichen Monat 15.000 aktive Nutzer (MAU) hatte, beträgt die Stickiness 3.000 ÷ 15.000 × 100 = 20 %. Für genauere Werte empfiehlt sich ein Durchschnitts-DAU über den gesamten Monat anstelle eines einzelnen Tages.
Was ist der Unterschied zwischen DAU, WAU und MAU?
DAU (Daily Active Users) zählt einzigartige Nutzer pro Tag, WAU (Weekly Active Users) pro Woche und MAU (Monthly Active Users) pro Monat. Dieselbe Person wird pro Zeitraum nur einmal gezählt. DAU ist die engste Kennzahl — sie misst tägliche Aktivität. MAU ist die weiteste — sie erfasst alle, die irgendwann im Monat aktiv waren. WAU liegt dazwischen und eignet sich besonders für Apps mit wöchentlichem Nutzungsrhythmus. Die DAU/MAU-Ratio kombiniert die engste und die weiteste Kennzahl zu einem Verhältnis, das die Nutzungsintensität beschreibt.
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